Ich google dich und sag dir, wer du bist…
Wer bin ich? Findest du etwas im Netz über meine Person? Bin ich, die, die ich zu sein scheine? Reichen die Ergebnisse aus, mich zu beurteilen?
Datenschützer wissen schon, warum sie die Menschen schier unermüdlich davor warnen, allzuviele Details von sich im Internet preiszugeben. Ohne Erfolg - wie wir alle wissen. Denn während sich noch so mancher unschuldige Irre lustige Homepages mit Self-HTML erstellt und denkt, diese seien ja sowieso nur für seine Freunde gedacht, sitzen andere schon längst vor dem Rechner und begutachten milde lächelnd die vermeintlich privaten Fotos. Andere geben Ihre privaten Adressen und Telefonnumern auf Ihrer Seite an und erstellen den Content mit den Fotos vom letzten FKK-Urlaub. Hier gilt der gute alte Spruch: “Kann mann machen - muss man aber nicht!” Zum Glück!
Ja - es ist eine Art Sport geworden, möglichst viel über noch unbekannte Personen herauszufinden. Doch ist alles, das man im Netz findet auch aussagekräftig? Kann man Google trauen? Vor dieser Frage standen meine Kollegen und ich, als es galt eine Stelle im Unternehmen neu zu besetzen. Letztlich sollten fünf Bewerber eingeladen werden und die Wahl fiel nicht besonders leicht. Da meinte plötzlich jemand: “Googel doch mal..”.
Alle Beteiligten zeigten sich sofort von der Idee begeistert und wir waren derart investigativ entflammt, dass so mancher Bildzeitungsjournalist vermutlich blass geworden wäre. Der Spieltrieb brach aus! Klar - zuerst google ich, dann grabe ich mich durch Studivz, Facebook und Xing; zu guter Letzt wurde sogar die Wunschliste bei Amazon durchkämmt. Nun hatten wir jede Menge Informationen, aber so wirklich half uns dies nicht weiter…
Ist jemand der “5o Cent” hört und sich eine CD bestellt hat, ein guter Mitarbeiter oder einfach intellektuell bescheiden? Kann eine Frau, die in der Community der Gruppe “Das Niveau ist gerade unters Bett gekrabbelt und heult”, wirklich die richtige Person für die Veranstaltungsorganisation im Hause sein? Und zeugen Bikinifotos im Netz nicht von mangelnder Medienkompetenz?
Wir kamen mit unseren Recherchen irgendwie nicht so recht weiter. Da hatte ein weiterer Kollege die rettende Lösung! Vielleicht sollten wir uns einfach noch einmal die Qualifikationen und Anschreiben in den Mappen zu Gemüte führen; quasi - die Retro-Tour durchlaufen.
Und da kam es heraus: Die Dame mit der musikalischen Begeisterung für US-Rapper brillierte durch das Andienenen Ihrer “volllständigen” Unterlagen (so vollständig hätten wir sie nicht gebraucht) und jene mit dem Niveauproblem war nicht in der Lage einen chronologischen Lebenslauf zu erstellen. Zu der Erkenntnis, dass beide nicht besonders begabt zu seien scheinen, hätten wir schon etwa eine Stunde vorher kommen können.
Bleibt mir nur noch zu bemerken: “Zu früh gegoogelt, meine Damen!”