Sweet Touch by U.

15. April 2008

Ich bin - verdammt nochmal - eine gute Hausfrau!

Man kann nicht alles haben. Oder etwa doch? Eigentlich darf ich es ja gar nicht zu laut sagen, doch im Grunde meines Herzens bin ich ein Fan der “traditionellen” Rollenverteilung.

Deshalb möchte ich auch – zumindest hin und wieder – eine perfekte Hausfrau sein und all das tun, was Frauen auf die Reihe bekommen, die ihre 40-Stunden-Woche zu Hause und nicht im Büro verbringen.
Als mich neulich wieder einmal ein hausmütterlicher Anfall heimsuchte, beging ich als erstes mit Argusaugen meine Wohnung und fragte danach meinen Freund: “Schatz – findest du es hier irgendwie dreckig?” Er antwortet mit den Worten: “Naja – wir müssen beide arbeiten und sind doch kaum zu Hause. Da kann man eben manchmal nicht vom Boden essen!”

Was aber, denke ich mit gekränkter Mine, wenn ich wahnsinnig gern mein Dinner auf dem Parkett einnehmen würde? Seine harte, aber genau betrachtet ehrliche Antwort, reicht zumindest aus, um mich wieder einmal beseelt von guten Vorsätzen zum Putzeimer greifen zu lassen. Ich bin zwar hundemüde und dunkel ist es draußen auch schon, aber so ein kleiner Budenschwung ist ja wohl noch drin. Man ist ja nicht faul!
Gerade will ich zum Putzmittel greifen, da merke ich, dass ich vergessen habe welches zu kaufen. Der geöffnete Unterschrank der Spüle grinst mich mit gähnender Leere höhnisch an. Gut, ich nehme die Herausforderung an, denke ich mir, und bevor mein Freund fragen kann, was ich vorhabe, bin ich auch schon durch die Tür. Mein Ziel – ganz klar – der nächste Supermarkt. Immerhin haben wir in Deutschland mittlerweile arbeitnehmerfreundliche Öffnungszeiten, die es auszunutzen gilt.

Viertel nach acht hechte ich demnach durch die langen Regalreihen des Einkaufsparadieses. Ein bisschen genervt bin ich schon, schließlich hat man um diese Zeit in der Regel besseres zu tun. Das denkt sich anscheinend auch die nette Dame, die sich hinter mir vorbeidrücken möchte und mir dabei ihre Handtasche mutwillig um die Ohren haut. Mein reflexartig ausgerufenes “Autsch!” bewirkt in jedem Fall einen heftigen Wutausbruch bei ihr. Ob ich nicht besser aufpassen könnte, kreischt sie und ob ich mal ein bisschen Platz machen könnte. Andere Leute wollten schließlich auch an das Regal. “Nein gute Frau, das kann ich nicht”, erwiderte ich kampflustig, “Ich muss als “gute” Hausfrau die vielen verschiedenen mir zur Verfügung stehenden Putzmittel auf ihre ökologische Tauglichkeit überprüfen. Das gehört zu meinen Pflichten und kann schon mal dauern.”

Die aggressive Frau scheint mir keine besonders engagierte Hausfrau zu sein. Sie vergleicht weder die Preise, noch hat sie eine Einkaufsliste in der Hand und mit Bedacht erledigt sie die Produktauswahl auch nicht gerade. Im Gegenteil - mit vollen Händen grabscht sie wie von Sinnen Produkte aus den Regalen und wirft sie in den schon bedenklich übervollen Einkaufswagen. Jeder so wie er kann denke ich mir und versuche mich nicht zu sehr von ihrer aggressiven Stimmung mitreißen zu lassen. Immerhin bin ich auch müde und habe eigentlich wenig Lust meinen Feierabend in einem Supermarkt zu verbringen, während andere schon bequem vor dem Fernseher sitzen und sich mit glänzenden Augen ein Gläschen Wein gönnen. Vielleicht bin ich ja wirklich nicht die Schnellste. Ich lege demnach einen Zahn zu und versuche eben noch “geschwind” die Mehrweg-Flaschen abzugeben.

Diesen Gedanken scheint in jedem Fall die halbe Stadt gehabt zu haben und vor den Automaten stehen meterlange Schlangen. Es riecht geradezu miasmatisch nach ausgelaufenem, altem Bier, und langsam kriecht auch in mir eine klitzekleine Wut empor. Ein Gerät ist kaputt und vor dem anderen steht eine Frau mit zwei Kleinkindern. In aller Seelenruhe erklärt sie dem Nachwuchs höchst pädagogisch wie ein Pfandrückgabeautomat funktioniert und hebt abwechselnd das Mädchen und den Jungen hoch, damit die beiden das Gelernte gleich einmal selbst umsetzen. Das klappt natürlich nicht, abwechseln lassen die Plagen die Flaschen fallen und schließlich beginnen sie wie nicht anders zu erwarten infernalisch zu heulen. Da kommt Freude auf!

Entnervt lasse ich von meinem Vorhaben ab und verlasse den Getränkebereich. Jetzt muss ich mit meinem Putzmittel “nur” noch zur Kasse. Ein Slalom beginnt. Ich kämpfe mich an Menschen mit sperrigen Einkaufswagen vorbei, die mitten im Weg stehen, schiebe mich an einigen Leuten vorbei, die ihre Unterhaltungen offenbar lieber im Einkaufszentrum als zu Hause oder in der Kneipe abhalten. Ein Albtraum!

An der Kasse angekommen bemerke ich, dass sich die Verkäuferin ähnlich phlegmatisch wie eine Sau aus einem Achtlingswurf bewegt und es wohl noch etwas dauern wird, bis ich mein Geld loswerden darf – um genau zu sein Stunden! Meine Armbanduhr zeigt mittlerweile 21 Uhr an und ich tobe innerlich. Da will man einmal ordentlich sein, seine Wohnung putzen wie eine glückliche Hausfrau und alles scheint sich gegen einen verschworen zu haben.

Als ein Mann hinter mir – vom Stress des abendlichen Einkaufs offenbar entkräftet – auch noch einen Becher Sahne fallen lässt und mir meine Hosenbeine verdreckt, reicht es mir. Ich stelle das Putzmittel in das nächst beste, kassennahe Regal und drängele mich genervt, schmutzig und vor allem unverrichteter Dinge in Richtung Ausgang. So enden meine Ausflüge ins Hausfrauendasein eigentlich immer und genau aus diesem Grund kann man auch bei mir zu Hause nie vom Boden essen. Aber das macht nichts: Am Tisch, mit Teller, Messer und Gabel hat ein Dinner ja auch seinen Reiz!

3 Kommentare »

  1. Daran ist bestimmt der Feminismus schuld ;)…

    Comment von tobi — 15. April 2008 @ 15:06

  2. …und wie der daran Schuld ist! Wer denn sonst?

    Comment von U. — 15. April 2008 @ 20:46

  3. Bist Du! Jede Wette. Und wer will schon vom Fußboden essen?

    Comment von Tina — 12. Mai 2008 @ 20:51

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